In knappen Strichen und launigen Worten

Der frühere Bad Harzburger Rechtsanwalt – Notar und langjährige Ratsherr Hans-Henning Borchhardt hat am Ende des 20.ten Jahrhunderts die über 2.000 jährige Harzer Historie und vor allem aber auch die Bad Harzburger Geschichte mit spitzer Feder und sehr humorigen Sprechblasen zu Papier gebracht. Die Besiedlung der Harzer Wälder in grauer Vorzeit durch vorbeiziehende Völkerscharen wurde als die erste touristische Erschließung des Harzes entdeckt.

Der europäische Kaiser Karl der Große christianisierte die hier nun sesshaften Sachsen und lässt sie in den wilden Gebirgsbächen taufen. Ein Höhepunkt unserer Geschichte findet 918 beim Vogelfang mit dem Antrag der Königskrone an den Sachsenherzog Heinrich statt. Der Harz wird damit zum Geburtsort des ersten deutschen Reiches. Den immer wieder herannahenden Hunnen wird mit der Kaiser-Pfalz Werla ein stabiles Bollwerk entgegengesetzt und den ungarischen Einfällen ein Ende gesetzt.

Als Sohn von Heinrich I. wird Otto der Große in Rom zum Kaiser gekrönt und damit wird die immer noch hinterwäldlerische Harzregion mit der zivilisierten Welt des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation vereint. Erst Quedlinburg und dann Goslar werden der Mittelpunkt deutscher Könige und Kaiser.

Mit der Schatzkammer des Rammelsberges sichert sich der nunmehr salische Kaiser Heinrich III eine stabile Geldquelle. Selbst der Papst Viktor II. kommt persönlich nach Goslar, um ihn hier zum Kaiser zu krönen. Die für das spätere Bad Harzburg so wichtige Entscheidung fiel durch seinen Sohn Heinrich IV. 1065 mit dem Bau der ersten Harzburg und weiterer Burgen um den Harz zur Unterdrückung der hier wohnenden Bevölkerung.

So geht es frei nach H.-Henning Borchhardt Seite für Seite weiter in seinen beiden Büchern „Heitere Wanderung durch die bewegte Geschichte der Harzer bzw. Braunschweiger Lande“. Erschienen im Verlag seines Bruder Jobst Borchhardt.

Über den ersten welfischen Kaiser Kaiser Otto IV. mit seinem Wirken von Braunschweig aus auf Goslar und dass Harzvorland, dem segensreichen Wirken von Herzog Julius mit der Erschließung Bad Harzburger Solequelle, weiter mit den ersten Kurgästen, der Harzburger Front und der innerdeutschen Grenzziehung. So könnte man weiter das skizzenhafte und leicht ironische Wirken von H.-Henning Borchhardt für unsere Region beschreiben. Dazu kommen noch im gleichen Stil die kulturhistorischen Landschaftskarten.

Mit diesem Geschichtswissen kam H.-Hennning Borchardt 1966 auf die Idee, den Harzburger Burgbrunnen zu erforschen. Mit ehrenamtlichen Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und einiger Harzburger Bürger gelang es ihm, den geheimnisvollen und bis dahin nicht vermuteten vermeintlichen Fluchtstollen von Heinrich IV. zu erkunden. Viele Bürger unserer Heimat werden sich noch heute an diese spektakuläre Brunnen-Erforschung erinnern.

Auszug aus der Harzburger Zeitung vom 22. August 1966: H.-Henning Borchhardt (links) wird in die unbekannte Tiefe des Burgbrunnens abgeseilt und findet den vermeintlichen Stollen.
1968 wurden die Grabungsarbeiten fortgesetzt. Aus entgegengesetzter Richtung wurde ein Wasserzuleitungsgraben erkundet. So wurde festgestellt, dass der Stollen einerseits zur Wasserzuleitung, aber auch wohl als Fluchtstollen von Heinrich IV gedient haben könnte.

Diese persönliche Skizze von Herrn Borchhardt stellt die Arbeiten im Jahr 1966 zur Brunnen-Befahrung dar.
So ist es heute einmal Zeit an dieses überregionale und historische Wirken von H.-Henning Borchhardt zu erinnern und es zu würdigen. Nach dem Tod ihrer Mutter, einer geborenen Freiherrin von Bernewitz, ließen sich beide Brüder von ihrer Tante adoptieren. So sind beide Brüder Borchhardt heute unter dem Namen Freiherren von Bernewitz bekannt. Herr Freiherr H.-Henning von Bernewitz verstarb 2013 bei Bonn am Rhein.

von Horst Woick

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